Copyright für den folgenden Text: Angela Stamm 2006 - 2018

 

Vom Sinn des Lebens

Anfangs dachte ich, das Wichtigste im Leben sei die Leistung. Vor allem gute Noten in der Schule, an der Uni, während des Referendariats waren mir wichtig. Im Laufe des Lebens erfuhr ich dann die Ungerechtigkeit bei der Notengebung, im positiven wie im negativen Sinne.Ich erhielt gerade da gute Noten, wo ich null Ahnung hatte und da schlechte Noten, wo ich eigentlich bessere Noten erwartet hätte.Selbst als Lehrerin bemerkte ich, wie schwer es ist, gerecht zu sein.  Das Notensystem besonders in Deutschland im Vergleich zu Belgien, das ich an der Europaschule erfuhr, erschien mir geradezu grotesk. Auch andere Menschen haben mir von diesem Eindruck berichtet. Ich versuchte, meine hohen Ideale und meine Ansprüche an mich selbst auch auf die zu unterrichtenden Schüler zu übertragen. Das ging natürlich schief. Nicht jeder hat Lust, französische Vokabeln zu lernen. Nicht jeder ist sprachbegabt. Eine große Enttäuschung war die Folge.

Also musste ich einen neuen Sinn im Leben finden. Selbstverständlich sucht man den als junger Mensch in der Liebe. Nach zahlreichen Erfahrungen und schönen Jahren in dieser Hinsicht glaubte ich dann plötzlich an die Ehe und die Familie. Doch hierin wurde ich schwer enttäuscht. Hinzu kamen Enttäuschungen von Menschen, die mir nahe standen. Es konnte also auch nicht die Liebe sein, die letztendlich dem Leben einen Sinn gibt.

In dem Zusammenleben mit einer Katze habe ich sehr viel neue Weisheit erfahren. Tagtäglich muss ich es üben, loszulassen und darauf vertrauen, dass sie zurück kommt. In einer Katze sehe ich sehr viel Spirituelles. In einem Tier offenbart sich Gott. Sie ist das ideale Haustier - macht keinen Stress, ist nicht aufdringlich wie ein Hund, ist nicht so laut.

Als mein geliebter Scream im Jahr 2013 starb, wurde ein Stück aus meiner Seele gerissen. Ich dachte, nun könne ich nicht mehr weiter leben.  Es fällt mir heute noch schwer. Unterschwellig begleitet mich ein tiefer Schmerz.

 

In der traditionellen Kirche finde  ich  keinen Trost. Die ganze Jesusgeschichte, die man von Anfang an mit Taufe, Religionsunterricht, Konfirmation usw. eingetrichtert bekam, erscheint mir heute genauso grotesk wie alles andere. Solange die Menschen sich nicht an die christliche Lehre halten, die sie predigen, ist das einfach lächerlich. Solange Katholiken zur Beichte gehen, ohne ihr Opfer um Entschuldigung zu bitten oder etwas wieder gut zu machen, geht es ja nur um den egoistischen Wunsch, alle Sünden durch Gott verzeihen zu lassen, um dann in den Himmel zu kommen. Danach kann man ja wieder weiter sündigen, bis zur nächsten Tat. Und dann geht man wieder in die Kirche. Die Opfer bleiben auf der Strecke. Das ist richtig kriminell. Und heuchlerisch dazu. Was hat das noch mit Nächstenliebe zu tun?

 

Die Tatsache, dass es zu der Vielfalt der Religionen kam, beweist, dass "unsere" Religion  nicht die einzig Wahre sein kann. Zu viele Kriege wurden und werden im Namen der Religion geführt. Das überzeugt mich nicht.

Die Naturgewalten belehren uns eines Besseren. Die Natur wird letztlich siegen. Gott ist die Natur. Solange wir diese beschädigen, ob durch Umweltverschmutzung oder durch Kriege, wird die Natur sich rächen. Das geschieht uns recht.

Man kann mir alles nehmen - mein Geld, meinen Besitz, meine Gesundheit, meine Nerven, meinen Verstand. Doch etwas behält der Mensch bis zum Lebensende - die Seele.

Und diese wird zumindest in unseren Kindern, in unseren Werken (gute Taten, Malerei, Fotos, Literatur, Musik, Architektur, Naturgestaltung) weiter leben. Im besten Fall nehmen wir sie mit in eine andere, bessere Welt.

 

Für diese gibt es Anzeichen, dass sie existiert. Das glaube ich nicht nur, ich  w e i ß  es. Und da stehe ich sicherlich nicht allein da.

Unser Gehirn ist zu beschränkt, um diese Welt vollends zu erfassen oder gar nachweisen zu können. Vergleichen wir mal unsere Wahrnehmung mit der Wahrnehmung eines Hundes, einer Fliege, einer Ameise, einer Fledermaus....Schon hier gibt es doch verschiedene, begrenzte Welten. Wir nehmen mit unseren Sinnen längst nicht alles wahr, was andere Wesen wahrnehmen können.

Das allein sollte Beweis genug sein, dass unserer Horizont begrenzt ist. Es ist einfach lächerlich, Gefühle als chemische Reaktion, Träume als nachmessbare Kurven, Gedanken als Hirnverbindungen darstellen zu wollen, mögen da die Wissenschaftler noch so schlau sein.

Unsere Träume, wenn wir uns intensiv mit ihnen beschäftigen, zeigen auf, welche Probleme wir noch nicht verarbeitet haben, Manchmal zeigen sie  den richtigen Weg, und manche Menschen haben die Fähigkeit, im Voraus zu träumen, was dann tatsächlich eintrifft. Auch Erfahrungen mit Gedankenübertragung habe ich des öfteren gemacht.  Die Seele offenbart sich in unseren Träumen und Gedanken, aber auch in unseren Werken.

Sie ist wissenschaftlich nicht messbar, unzerstörbar und bestimmt nicht an einer Stelle im Hirn nachzuweisen.

 

Die gigantischen Veränderungen auf dieser Welt, vor allem durch die faszinierenden Möglichkeiten des Internets, beweisen, dass der Schöpfungsakt noch längst nicht beendet ist.

Wir sind hier auf der Erde, um verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Welche diese sind, muss die eigene innere Stimme sagen. Wenn diese nicht zu hören ist, sollte man Menschen fragen, denen man vertraut. Manche beten auch, wenn es denn hilft. Vielleicht weiß ein  anderer Mensch, warum man auf der Welt ist.

Vielleicht gibt es auch nur eine große Aufgabe zu erfüllen. Das ist je nach Lebensdauer, Kraft und Fähigkeiten bei jedem verschieden.

Für mich persönlich steht immer das Kreative im Vordergrund - Spiel nur um des Spieles willen - ohne ein Werk zu erschaffen - ist m.E. vertane Zeit.

 

Es lohnt sich zudem, sich mit den großen Philosophen zu befassen, die sich mit dem Zusammenhang von Kunst und Natur beschäftigten. Hier sei nur als Beispiel unter vielen Friedrich Wilhelm Schelling genannt, der u.a. auch ein Buch über die "Weltseele" geschrieben hat.

 

 

Optimismus, Pessimismus oder Realismus

In den verschiedenen Lebensphasen dominierte mal der Pessimismus (Jugendzeit, als man plötzlich alles schlecht fand - diese Phase diente der Persönlichkeitsentwicklung), der Optimismus, den man als junger Erwachsener benötigt, um Beruf, Familie, Haus aufzubauen und später pendelte sich alles ein, man wurde gelassener und musste lernen, realistisch mit dem "Abbau" umzugehen. Somit habe ich für jeden Menschen, egal in welcher Phase er sich gerade befindet, Verständnis.

 

 

Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft

Ich finde es oberflächlich zu sagen "Lebe im Hier und Jetzt" oder "Genieße den Tag, als ob es dein letzter wäre." Mein Opa sagte immer: "Morgen ist auch noch ein Tag."  Natürlich soll man nichts auf die lange Bank schieben. Früher war die Zukunft sehr wichtig, stets war man am Planen: die Unterrichtsstunden, den Urlaub, die Termine für die Kinder und sich, die Umbauten am Haus. Man lebte nur für die Träume, die es zu verwirklichen galt und arbeitete auf die Zukunft hin. Dabei vergaß man oft, das Hier und Jetzt zu genießen. Natürlich sollte jeder Moment so intensiv wie möglich gelebt werden. Je älter man wird, umso kostbarer wird die Zeit, umso weniger tolerant wird man für sinnloses Warten, Zeitverschwendung. Und die Vergangenheit wird immer wichtiger, da dieser Zeitraum immer größer wird. Schließlich sind wir durch sie das geworden, was wir jetzt sind. Und das verdient einige Reflektion und Muße. Hierfür sollte man sich sogar im Hier und Jetzt Zeit nehmen.

 

 

Emanzipation

Klar ist die Emanzipation gescheitert. Das habe ich schon vor zehn Jahren festgestellt, als ich nicht nur wie ein Mann das Geld verdienen sollte, sondern die meisten Erziehungsaufgaben und Hausarbeiten an mir hängen blieben. Es wurde verlangt, möglichst wie ein Mann und wie eine Frau hundertprozentig zu funktionieren. Ein nervlicher Zusammenbruch und ständiger Frust waren die Folge.

Es ist richtig peinlich, dass eine sonst so kluge und erfolgreiche Frau jetzt versucht, die Frauen wieder an den Herd zu schicken. Männer wie Frauen sollten sich die Arbeit je nach Neigung und Begabung teilen. So einfach wäre das, wenn wir in Deutschland die gleichen Voraussetzungen wie die anderen europäischen Länder hätten. Haben wir aber nicht. Schade eigentlich. Und sogar in einer glücklichen Mutter am Herd steckt auch eine Lilith.

 

 

Was mir die Fotografie bedeutet

Fotografieren hat mir seit meiner Jugend, als ich die erste Spiegelreflexkamera hatte und noch mit einem separaten Belichtungsmesser unterwegs war, sehr viel bedeutet. Damals fotografierte ich in Schwarz-Weiß oder Farbe, Landschaften, Blumen und Tiere, vor allem Pferde. Ich besuchte mit einer Freundin zusammen ein Fotolabor. Dort lernten wir, Fotos in der Dunkelkammer zu entwickeln, Gegenstände auf das Fotopapier zu legen und zu belichten. In Münster nahm ich an einem Camera-Obscura-Kurs teil, da bastelten wir aus einem Schuhkarton , in den durch ein Loch Licht fiel, eine Kamera. Heute finde ich diese Fotos natürlich gar nicht mehr gut. In dem Aachener Fotoclub lernte ich, ganz neue Motive zu entdecken, andere Perspektiven und Ausschnitte zu wählen, noch mehr zu experimentieren.

 

 Mit dem Fotopass für das LEGACY auf dem Ragnaroek Festival 2007

 

Heute interessiert mich vor allem das Fotografieren am Bühnenrand, da ich es faszinierend finde, bei toller Musik, die ich mag, tolle Menschen auf der Bühne agieren zu sehen, die meist mit den Fotografen zusammen arbeiten und das Posen ganz gut gelernt haben. Nur die unerfahrenen Bands sind so hektisch auf der Bühne, dass es wirklich Glückssache ist, welche Sekunde man gerade erwischt. Das Spannende ist, dass man reaktionsschnell sein muss - was ich sehr liebe, denn schon immer mochte ich Aktionen, bei der man schnell reagieren muss, z.B. Tischtennisspielen und Autofahren. Und dann ist es für mich auch Kunst, ästhetische Fotos von Musikern herzustellen, z.T. zu bearbeiten.

Die Digitalisierung von Dias und Fotos hat eine ganz neue Welt eröffnet. Jetzt ist es praktisch möglich, der ganzen Welt Fotos zu zeigen und Fotos (wie auch Filme) im Internet zu betrachten.

 

Was mir die Musik bedeutet

Eine Affinität zur Musik war schon immer da - ich sang als Kind in dem europäischen Chor der Europaschule in Brüssel, habe C- u. F-Flöte gelernt, in meiner Jugend Klavier gespielt und mit Freunden in einem Keller bei Open Musik  in Bonn mit diversen, zum Teil selbst gebastelten Musikinstrumenten experimentiert. In Brüssel besuchten wir die Oper (Hänsel und Gretel, Zauberflöte), die mich sehr beeindruckte. Mein Cousin ist Komponist, und zu Hause wurde viel klassische Musik gehört - zwangsläufig. Als Bonnerin war ich mit Beethoven vertraut, mochte aber vor allem Chopin - bis ich zunächst die deutsche Schlager-Hitparade (über die man sich lustig zu machen hattte), dann Soul (Temptations, Earth, Wind and Fire, James Brown) Rockmusik, vor allem Hardrock (Joe Cocker, Deep Purple, Black Sabbath, Led Zeppelin, Uriah Heep), Metal (Manowar, Judas Priest, Hypocrisy, Dream Theater u.v.m.), später dann Gothic (Nightwish, Lacuna Coil, Epica, The Vision Bleak, My Dying Bride u.v.m.) und Electro und Industrial (Suicide Commando, Front 242, VNV Nation) entdeckte. In der Familienphase hörte ich Yellow, Shakespeare´s Sister, die Bangles, George Michael, Depeche Mode, später The Prodigy, aber auch Reinhard Mey, Stephan Eicher, Veronika Fischer, aber nie im Leben Udo Jürgens!

Musik kann einen trösten - vor allem die Band Virgin Steele hat etwas Erhabenes, Göttliches, das mir die Tränen in die Augen treibt.

Es ist auch schön, mit wesentlich jüngeren Leuten Konzerte und Festivals zu erleben, denselben Musikgeschmack zu teilen und die Lebensenergie auf und vor der Bühne zu spüren. Das gibt unwahrscheinlich viel Kraft, baut auf. Auch die internationale Atmosphäre auf den Festivals liebe ich.

 

 

Was mir Literatur bedeutet

Lange Zeit im Leben bedeutete sie mir mehr als z.B. die Musik, da ich Anthologien mit herausgab, selbst schrieb, Lesungen durchführte, an Literaturkreisen und -wettbewerben teilnahm, selbst Lesungen plante und organisierte, eine Literaturwerkstatt leitete. Bis mir eines Tages die unerträgliche Eitelkeit und Arroganz vieler Literaten und die Verbissenheit, mit der diskutiert wurde, die stets destruktiven Texte, die negative, m.E. oft kranke, selbst- oder andere zerfleischende, neurotische Lebenseinstellung dermaßen auf den Wecker ging, dass ich mich wieder erfreulicheren Kreisen anschloss.

Das Lesen wird mir immer wichtiger, da ich ruhiger werde und noch so viele Bücher habe, die es zu lesen gilt. Und an meiner Biografie schreibe ich schon seit längerer Zeit. Wenn ich Bundeskanzlerin wäre, würde ich jeden Bürger dazu verpflichten, alle 10 bis 20 Jahre eine Bilanz des Lebens aufzuschreiben oder auf Kassette zu sprechen. Hierfür sollte es ein Honorar geben. Dann gäbe es auch nicht so viele Arbeitslose, die nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen, und weniger Alkoholiker, Raucher. Somit würde ein riesiges Kulturgut aller Deutschen entstehen. Und niemand würde mehr sagen "Schade, dass ich mit ihm so wenig geredet habe. Nun ist er tot." Oder: "Wer war dieser Mensch eigentlich?" Oder: "Jetzt hat er das Gedächtnis verloren. Wir wissen eigentlich gar nichts über ihn."

Jeder Mensch ist einzigartig und interessant. Jeder hat etwas zu erzählen. Nicht nur Schlagersänger oder Fußballspieler.

 

Was mir die Malerei bedeutet

Die Malerei wird das Fazit aus allem sein. Sie wird das sein, was noch bleibt, wenn mir die Konzerte zu anstrengend werden, wenn ich alles aufgeschrieben habe, wenn ich keinen Sinn mehr darin sehe, Musiker zu fotografieren.  Sie wird alles überleben, denn sie kann noch in hohem Alter ausgeübt werden - wenn die Augen es mitmachen. Und es warten noch so viele Motive in meinen Mappen, so viele Ideen. Die Bilder gehen nie aus!

 

  Farben inspirieren!

 

Wo immer eine Vernissage ist, eine Galerie, eine Ausstellung, ein Kunstmuseum - wenn mich die Stilrichtung (Impressionismus, Expressionismus) interessiert, bin ich dabei. Bilder verleihen der Fantasie Flügel.

 

 Angela und ein Teil ihrer Bilder

 

Diskussionen über die Malerei sind meiner Meinung nach müßig und ärgerlich. Aber einige Sätze, ausgesprochen von Mitmenschen, können mich inspirieren. Mir fällt dann ein Bild ein, das ich malen will. Oder der Anblick von fremden Menschen in der Fußgängerzone - irgendwelche Szenen prägen sich ein. Träume inspirieren mich - denn sie schenken einem Bilder, die man tagsüber nicht hätte. Fotos, die ich selbst mache, dienen nur der Inspiration - selten male ich sie haargenau ab, das wäre mir zu langweilig. Somit ist für mich die Fotografie nur Mittel zum Zweck. Ich sehe mich nicht in erster Linie als Fotografin. Theoretische Fachsimpeleien über das Fotografieren öden mich an. Besser sind praktische Übungen am PC.

Das Erlernen der Fotobearbeitung erfordert viel Geduld!

 

Es sei wichtig, eine eigene "Handschrift" zu finden, hat mir mal ein Galerist gesagt. Er konnte nicht glauben, dass ich all die Bilder selbst gemalt hatte - wegen der verschiedenen Stile. Das sei zu sehr in der experimentellen Phase. Klar erkennt man einen Chagall sofort, auch einen Van Gogh, einen Renoir. Aber wie ist es mit Picasso - war der nicht auch vielseitig? Ich wäre gern der weibliche Picasso des 21. Jahrhunderts. Ganz schön größenwahnsinnig, oder? Träume muss man noch haben. Und ich weiß doch - Maler(innen) gibt es wie Sand am Meer. Aber ein Strand ist auch schön.

 

  Der Nachwuchs in den Startlöchern!


Mein Motto ist: "Alles ist malbar!"

Und dann noch ein Zitat von Caspar David Friedrich:

"Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch was er in sich sieht"

 

 

 

 Was mir meine Töchter bedeuten

 

Alles.

Das gilt natürlich auch für alle besonders liebe Menschen.